Schnee. Rohstoff der Kunst

20. Juni bis 4. Oktober 2009
 

Eine Sommerausstellung des Vorarlberger Landesmuseums Bregenz in Kooperation
mit der Gemeinde Lech am Arlberg
 

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1) Alois Carigiet
St. Moritz, 1934
Farblithografie
 

2) Robert Schmidt
Sonne über dem Arlberg, 1931
 

3) Albert Steiner
Winterabend bei Maloja,
um 1914
 

4) Tourismusplakat Zürs,
1935
 

5) Wacker, Winterlandschaft Bregenz, 1934
 

6) Peter Fischli und David Weiss,
In den Bergen, 1979
 

7) Ste-Croix-Les Rasses,
Jura
Francois Jaques, 1920
 

Schneebedeckte Landschaften gibt es viele, und geografisch mag es naheliegend erscheinen, wenn das Vorarlberger Landesmuseum das Phänomen Schnee zum Thema einer Sonderausstellung macht. Die Region zwischen Bodensee und Arlberg ist auf das Engste mit Schnee verbunden. Er hinterlässt dort viele Spuren, er prägt die Landschaft und gilt als ein Markenzeichen des Landes. Eher ungewöhnlich ist die Annäherung an das Thema aus der Sicht einer Sommerausstellung. Darin scheint ein Widerspruch oder zumindest etwas Gegensätzliches zu liegen. Schnee aus Sommerperspektive bringt nicht nur Unerwartetes, sondern funktioniert auch als ein Signal der Distanz. Für Kurator Tobias G. Natter geht es nicht um Schnee an sich, sondern um seine ästhetische Wahrnehmung. Der Schnee ändert im Laufe der Kunst- und Kulturgeschichte mehrfach seine Gestalt. Als reines Bildweiß betritt er die Welt, doch was bleibt von seiner Makellosigkeit, wenn er sich zur Kunst verwandelt? Die rezeptionsästhetische These, dass Schnee gar nicht existiert, sondern eine Erfindung ist, bildet die Grundlage der Schau.
 

Die Ausstellung spannt einen Bogen von der Zeit um 1800 bis heute und setzt mit der europäischen Aufklärung ein, als es zur künstlerischen „Eroberung der Gletscher“ kommt. Diese geht Hand in Hand mit alpinistischen Erstbesteigungen und der wissenschaftlichen Vermessung. In der Ausstellung sind es Künstler wie Caspar Wolf, Jakob Alt, Thomas Ender oder Ferdinand Georg Waldmüller, welche die Popularität der als „majestätisch“ erlebten Bergwelt darstellen. Künstlerisches Ziel ist die Wiedergabe des „Erhabenen“.
 

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1) Albert Steiner
Winterzauber am See,
1. Hälfte 20. Jahrhundert
 

2) Arlberg. Wintersport in
den Österreichischen Alpen,
1910
 

3) Franz Sedlacek
Übungswiese, 1926
 

4) Wilhelm Angerer:
Ein Sang des Winters,
1933-42
 

5) Giovanni Giacometti
Inverno ( Bergeller
Winterlandschaft), um
1900/1901
 

6) Ernst Ludwig Kirchner
Berge und Häuser im
Schnee,
um 1924
 

Ab den 1870er Jahren findet die Malerei im Gefolge des Impressionismus neue Wege der Aneignung. Künstler wie Claude Monet zeigen, dass Schnee nicht weiß ist. Zum impressionistischen Farbenzauber kommen der Symbolismus und wenig später die Neuerungen des Jugendstils. Metaphern von klirrender Kälte, Entfremdung und Endlichkeit treffen auf arabeske und ornamentale Freiräume. Es ist eine Blütezeit der Schneemalerei, deren Ergebnisse das Rezeptionsverhalten bis heute prägt. Eine Leitfigur ist Ferdinand Hodler, der Gründervater der modernen Schweizer Malerei. In Tirol sind es die „Schneemaler“ Max von Esterle und Alfons Walde. Am Bodensee schaffen Künstler wie Rudolf Wacker, Adolf Dietrich, Herbert Reyl-Hanisch faszinierende, individuelle Interpretationen. Die deutsche Sicht des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit vertreten in der Ausstellung vor allem Ernst Ludwig Kirchner und Otto Dix.
 

Noch ist Schnee ein exklusives Freizeitvergnügen und Ausdruck von Lifestyle und städtischer Sehnsucht – kein Konsumgut für jedermann. Skipioniere ebnen aber allmählich dem Wintertourismus die Bahn. Es ist die Geburtsstunde des Ski- und Wintertourismus. Zum künstlerischen Sprachrohr dieser bis heute folgenreichen Entwicklung wird das Plakat. Seltene Beispiele aus der Frühzeit des Werbedesigns zeigen in der Ausstellung sowohl den „maskulinen“ als auch den „mondänen“ Schnee. Berauscht von alpiner Schönheit und Geschwindigkeit entdecken auch Film und Fotografie das Thema. Das führt hin bis zur Mystifizierung des Alpinen als Spiegelbild des arischen Menschen in der Propaganda des Dritten Reiches.
 

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1) Votivbild, Lawinenabgang
zeigend, 1736
 

2) Claude Monet
Antibes et les Alpes Maritimes, 1888
 

3) Jakob Gauermann
Der Ötztaler Gletscher, 1819
 

4) Not Vital
Mias Muntognas, Auflage 1,
2000
 

In der zeitgenössischen Kunst geht es u.a. um Fragen nach zu viel und zu wenig Schnee vor dem Hintergrund globaler Veränderungen, um Klischees und Trivialisierung des Ursprünglichen oder um die buchstäblich greifbaren Veränderungen des Bekannten durch Schnee im Zeichen von Massenkultur und Kommerzialisierung. Diese Positionen sind etwa durch Christian Ludwig Attersee, Joseph Beuys, Gottfried Bechtold, Peter Fischli und David Weiss, Stephan Huber, Mark Lewis, Not Vital, Aleksandra Signer, Roman Signer oder Lois und Franziska Weinberger vertreten.

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1) Ferdinand Hodler
Der Mönch mit den Wolken,
1911
 

2) Stichserie nach
Caspar Wolf,
Kolorierter Stich, 1785
 

3) Thomas Ender
Der Großglockner mit der
Pasterze, um 1830
 

4) Markus Pernhart
Der Großglockner von der
Adlersruhe, um 1860
 
 

Die Schau vereint mit mehr als 160 Exponaten Momentaufnahmen zwischen Nähe und Ferne, Bilder von hellen und dunklen Welten, Facetten von Übermut und Bedrohung. In ihrer künstlerischen Zeitreise über zweihundert Jahre Wahrnehmungsgeschichte war sie so noch nie zu sehen. Sie findet an zwei Orten statt: Neben dem Stammhaus in Bregenz auch in Lech am Arlberg – weltweit Inbegriff der weißen Pracht. Der zur Ausstellung konzipierte Katalog enthält auf mehr als 300 Seiten zahlreiche Beiträge namhafter Autorinnen und Autoren. Wie die Ausstellung zeigt auch der Katalog auf eindrückliche Weise die Vielfalt im künstlerischen Umgang mit dem Thema Schnee. Damit lädt das Vorarlberger Landesmuseum zu einem Streifzug durch zweihundert Jahre europäische Kulturgeschichte.
 
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Schnee22 Katalog
Schnee. Rohstoff der Kunst
 

Herausgeber: Tobias G. Natter
312 Seiten Hardcover
€ 29,20
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Öffnungszeiten Bregenz
Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr
Vom 22. Juli bis zum 23. August
täglich von 10 – 20 Uhr geöffnet
Öffnungszeiten Lech
Di–So 10–18 Uhr
Vom 22. Juli bis zum 23. August
täglich von 10 – 18 Uhr geöffnet
www.lech-zuers.at
 
 

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