Ein Museum im Aufbruch
 
   
Der architektonische Entwurf – eine kleine Geschichte der Landesmuseumsarchitektur

Die Sicherung von Vorarlberger Kulturgut und das gezielte Sammeln waren von Anfang an zentrale Anliegen des 1857 gegründeten Landesmuseumsvereins. Bedeutende Werke sollten vor der Verschleppung ins Ausland bewahrt oder, wenn möglich, deren Rückführung nach Vorarlberg in Angriff genommen werden. Bereits ein Jahr nach seiner Gründung öffnete der Landesmuseumsverein in einem Bregenzer Privathaus jeweils sonntagvormittags drei Museumsräume für interessierte Besucherinnen und Besucher. Zwei Jahre später bezogen die Objekte ihr erstes eigenes Haus in der Kaspar-Hagen-Straße 2. Dort nahm die Archäologie fast das ganze Erdgeschoss ein, im ersten Stock fanden Bildende Kunst, Münzen und die Bibliothek Platz, im zweiten Stock Zoologie, Technologie, Botanik, Mineralogie und die Werke Angelika Kauffmanns. Es zeichnete sich bald ab, dass das Gebäude die rasant wachsenden Sammlungen nicht lange beherbergen konnte. Der Textilfabrikant Samuel Jenny gründete einen Museumsbaufonds, an dem sich auch die Stadt Bregenz beteiligte. Sie stellte außerdem kostenlos ein Grundstück direkt am Bodensee zu Verfügung. Aus finanziellen Gründen verzögerte sich der Spatenstich für das erste „richtige“ Museum bis 1902.

Das erste Landesmuseumsgebäude

In einer Bauzeit von knapp vier Jahren wurde der Neubau nach Entwürfen von Georg Baumeister errichtet. Das Haus war technologisch, was Hochwasser-, Brandschutz, Heizung und Konstruktionsdetails betraf, auf dem neuesten Stand. 1905 übersiedelten die Sammlungen in den Historismusbau am Kornmarkt in Bregenz und waren dort ab dem 9. Juni öffentlich zugänglich. Das Gebäude wurde zwar auf Zuwachs der Sammlung konzipiert, doch bald wurde deutlich, dass die rasch wachsenden Bestände zusätzlichen Platz benötigen würden.

Bereits in den 1930er Jahren klagte man erneut über Platzmangel. Mit dem umfassenden Umbau wurde aber erst Mitte der 50er Jahre begonnen. Dabei wurde ein Geschoss aufgestockt und der historistische Fassadenschmuck entfernt. 1960 stand das neugestaltete Museum dem Publikum wieder offen. Auf die Zeit der großen Umbauten folgten fünfzig Jahre, in denen kaum Investitionen vorgenommen wurden und die Kluft zwischen den museologischen Anforderungen an das Gebäude und der baulichen Realität immer stärker aufklaffte. Die Schere zwischen einem alternden Haus und den in den letzten Jahrzehnten massiv gesteigerten Besuchererwartungen wurde immer größer.

Der Neubau 2013
Im März 2007 fasste die Landesregierung den Grundsatzbeschluss zur architektonischen Neugestaltung des Museums, dem das räumlich-museologische Konzept „VLM Neu“ von Tobias G. Natter zugrunde lag. Aus dem europaweit ausgeschriebenen Architekturwettbewerb ging das Architekturbüro Cukrowicz Nachbaur Architekten, Bregenz, als Sieger hervor. 2013 wird das Vorarlberger Landesmuseum am alten Standort ein modernes, doppelt so großes Haus beziehen, das den veränderten Anforderungen an eine Kulturinstitution im 21. Jahrhundert Rechnung trägt.

Die aktuelle Situation
Der Neubau des Vorarlberger Landesmuseums wird am selben Ort realisiert. Das Grundstück liegt zwischen offener Seelandschaft und kompaktem Stadtgefüge. Das neue Haus entwickelt sich strukturell aus den örtlichen Gegebenheiten und bildet städtebaulich den westlichen Abschluss der Kulturmeile bestehend aus Kunsthaus, Landestheater und Landesmuseum. Der denkmalgeschützte Gebäudebestand der benachbarten ehemaligen Bezirkshauptmannschaft bleibt nahezu vollständig erhalten und wird in die Gesamtlösung integriert. Das bestehende Gebäude wird mit zwei zusätzlichen Geschossen erweitert. Durch das Freihalten der spitzen Südecke des Landesmuseums und das Knicken der Fassade am Kornmarktplatz im Übergang zwischen Alt und Neu entsteht eine neue städtebauliche Situation. Die Blockrandbebauung wird aufgelöst, der Baukörper wird eigenständig und solitär. Das Gebäude ist nicht mehr nur reine Platzbegrenzung, es wird integrierter Bestandteil der Platzsituation. Der Blick in Richtung Bodensee wird im Bereich Rathausstrasse/ Kornmarktplatz erstmals wieder geöffnet.

Der Zeitplan
Bis Ende 2009 werden neben den Sammlungsobjekten auch die Büros der Mitarbeiter sowie die Bibliothek aus dem alten Gebäude in die Studiensammlung übersiedelt. Die Einrichtung der Baustelle ist für den 1. Februar 2010 geplant. Über aktuelle Fortschritte am Bau werden wir an dieser Stelle regelmäßig berichten.